Commerzbank hat comdirect übernommen - was nun?

Die Commerzbank hat die comdirect endgültig übernommen. Aber was ändert sich nun für comdirect-Bestandskunden und für Interessenten der comdirect Visa Card? Inzwischen haben beide Banken jeweils neue Produkt-Bedingungen bekannt gegeben. Der Bundesgerichtshof hat jedoch eine wichtige Regel gekippt. 

comdirect-Übernahme durch die Commerzbank

Nach der Komplettübernahme der comdirect durch die Commerzbank blieb die Frage: Was kommt auf die Kunden zu? Inzwischen haben beide Seite jeweils neue Produkt-Bedingungen bekannt gegeben. Der Bundesgerichtshof hat jedoch eine wichtige Regel gekippt (Stand: 05/2021).

Commerzbank hat Komplettübernahme der comdirect abgeschlossen

Die Commerzbank hat die Komplettübernahme der bisherigen Tochter comdirect Anfang November 2020 abgeschlossen. Dieses Ziel wurde bereits im September 2019 angekündigt. Damit endet nicht nur die Eigenständigkeit, sondern auch die Börsennotierung des Geldinstituts aus Quickborn. Die comdirect ist nun auch laut Handelsregister und Impressum offiziell eine Marke der Commerzbank AG.

Allerdings sollte noch ein neues, gemeinsames Geschäftsmodell verhandelt und beschlossen werden. Denn die Commerzbank schrieb zuletzt rote Zahlen – wohl auch aufgrund der Corona-Pandemie. Das Frankfurter Institut hat im dritten Quartal 2020 ein Minus von 69 Millionen Euro verzeichnet. Im Vorjahresquartal erwirtschaftete die Bank noch einen Gewinn von 297 Millionen Euro. Die Commerzbank hatte in den ersten neun Monaten 2020 damit einen Verlust von 162 Millionen Euro erzielt (Stand: 11/2020).

Digitale Fusion

Grundsätzlich will sich das Frankfurter Institut digitaler aufstellen und Doppelfunktionen zusammenlegen, um Kosten zu senken. Martin Zielke, der 2021 scheidende Vorstandsvorsitzende der Commerzbank, sagte Ende 2020 dazu:


"Trotz des herausfordernden Umfeldes stehen wir mit ganzer Kraft an der Seite unserer Kunden und kommen auf dem Weg zu einer nachhaltigeren Bank voran. Mit der erfolgreichen Übernahme der comdirect haben wir einen wichtigen Schritt gemacht, um profitabler und zugleich noch besser für unsere Kunden zu werden. Indem wir comdirect und Commerzbank unter einem Dach vereinen, bündeln wir die Stärken beider Banken und bieten unseren Kunden ein hervorragendes digitales Angebot, gepaart mit persönlicher Beratung und Präsenz vor Ort."

Trotzdem sollen die comdirect-Standorte in Quickborn und Rostock erhalten bleiben. Zudem wurden alle Mitarbeiter der ehemaligen Tochter von der Commerzbank übernommen.

Was sich ändert

Commerzbank und comdirect versprachen Ende 2020, dass sich für ihre Kunden vorerst nichts ändern sollte. Dennoch hatten schon damals viele Kunden Fragen zur Übernahme, wie dieses Beispiel zeigt:

Commerzbank-Konto kostenpflichtig

Ab dem 1. Juli 2021 müssen auch Commerzbank-Bestandskunden für das bis dahin kostenlose Girokonto eine Monatsgebühr von 4,90 Euro bezahlen. Sie können auch zum rein digitalen Basic-Konto wechseln. Sie müssen dabei jedoch auf 700 Euro Geldeingang pro Monat kommen. Außerdem werden die bisher kostenfreie Kreditkarte und Papier-Kontoauszüge dann kostenpflichtig (Stand: 04/2021). 

Damit passt die Großbank weiter ihre Konditionen an. Die Tochter comdirect hatte die Bedingungen bereits Anfang 2021 geändert. Kunden bezahlen auch dort 4,90 Euro für das Girokonto. Ausnahmen bei 

  • einem monatlichen Geldeingang von mindestens 700 Euro

  • monatlich mindestens drei Zahlungen per Google Pay oder Apple Pay

  • monatlich mindestens einem Trade oder einer Sparplan-Ausführung 

  • Studierenden, Praktikanten oder Azubis bis zu einem Alter von 28 Jahren

Verwahrentgelte ab 50.000 Euro

Die Commerzbank hat bisher erst ein Verwahrentgelt ab einer Summe von 100.000 erhoben. Ab 1. August 2021 erhebt sie wohl Negativzinsen in Höhe von 0,5 Prozent ab einem Guthaben von 50.000 Euro, berichtete das Handelsblatt Ende April 2021. Demnach würde dies alle Privatkunden betreffen, welche seit Sommer 2020 ein Commerzbank-Konto eröffnet haben.

Damit würde sie einigen Konkurrenten wie der 1822direkt und der Hamburger Sparkasse folgen. Die Tochter comdirect bleibt bei der Strafzins-Grenze von 100.000 Euro. Die Online-Bank beobachte das Thema und schaut, wie sich der Markt entwickelt (Stand: 04/2021). 

Hintergründe

Seit September 2020 stand bereits fest: Die Commerzbank will ihre börsennotierte Tochtergesellschaft comdirect vollständig übernehmen

Auf der (erstmals reinen Online-) Hauptversammlung  der comdirect am 5. Mai 2020 wurde beschlossen, dass die Aktien der comdirect-Minderheitsaktionäre auf die Commerzbank AG (Hauptaktionärin) übertragen werden. Dafür erhalten die Minderheitsaktionäre der Direktbank "eine angemessene Barabfindung" in Form von 12,75 Euro je Aktie.

Die comdirect versprach  damals weiterhin (Stand: 05.05.2020): 

"Für Sie als Kunde ändert sich vorerst nichts. Erst mit der Eintragung im Handelsregister wird die comdirect als rechtlich eigenständiges Unternehmen erlöschen. Wann es dazu kommt, hängt von mehreren Faktoren ab und steht zum jetzigen Zeitpunkt daher noch nicht fest. Wie comdirect anschließend in die Commerzbank integriert wird, erarbeiten wir nun gemeinsam. Sowohl am Produkt- und Leistungsangebot als auch an den Konditionen von comdirect wird sich auch mit Eintragung im Handelsregister vorerst nichts ändern. Seien Sie versichert: Wir werden alles dafür tun, damit wir Sie auch weiterhin begeistern können."

comdirect-Alternativen?

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Vergleichbare kostenlose Kreditkarten zur comdirect VISA Card

Die comdirect hat in den vergangenen Jahren viele Kunden gewonnen und gehörte bis zur Übernahme zu den größten Direktbanken in Deutschland. Das liegt nicht zuletzt daran, dass sie nicht nur ein gutes Angebot hat, sondern zudem auch innovativ war.

Viele Kunden befürchteten aber, dass es damit vorbei sein könnte. Die genauen Folgen dieses Schritts sind noch nicht klar. 

Commerzbank möchte auf die eigene Marke setzen

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Schlechte Nachrichten für Kunden der Direktbank wollen beide Seiten noch nicht verkünden. Denn es war unklar, was die Commerzbank aus dem Produkt der Onlinebank macht.

Erste Ergebnisse sind inzwischen zumindest klar. Vollkommen kostenlos werden die Produkte von Commerzbank und Comdirect wohl nicht bleiben. Denn beide müssen Geld an ihren Kunden verdienen. 

Konditionen für Bestands- und Neukunden

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Die Commerzbank versicherte Ende 2020 zwar, dass es auch in Zukunft ein kostenloses Girokonto geben soll, gab damals aber noch keine weiteren Informationen bekannt. 

Inzwischen ist jedoch klar, dass die comdirect Visa Card mit 1,90 Euro pro Monat für Neukunden kostenpflichtig ist. 

Dagegen ist die neue comdirect Visa-Debitcard (siehe Bild) kostenlos. Das jeweils dazugehörige comdirect Girokonto kostet Neukunden 4,90 Euro pro Monat. Dies entfällt, bei: 

  • mindestens 700 Euro monatlichem Mindestgeldeingang,

  • mindestens drei Zahlungen per Apple Pay oder Google Pay pro Monat

  • oder einem Trade bzw. einer Wertpapiersparplanausführung pro Monat

Andere Direktbanken seit einiger Zeit mindestens ebenso attraktive Konditionen bieten, darunter das DKB Cash und die ING VISA Card.

Bundesgerichtshof kippt Klausel zur schweigenden Zustimmung

Der Bundesgerichtshof hat Ende April 2021 entschieden, dass es eine unangemessene Benachteiligung von Kunden ist, wenn geänderte Geschäftsbedingungen automatisch gelten, solange sie nicht innerhalb von zwei Monaten widersprechen. 

Auf dieser Grundlage hat die comdirect kurz danach bekannt gegeben, dass sie die neuen Konditionen für Bestandskunden (geplant seit dem 1. Mai 2021) vorerst aussetzt. Die Direktbank will die schriftliche Urteilsbegründung abwarten. Diese erscheinen in der Regel erst einige Wochen nach der Urteilsverkündung. 

Ob und wie die Commerzbank auf diese Gerichtsentscheidung reagiert, ist noch offen (Stand: 05/2021). Denn auch der Frankfurter Mutterkonzern wollte ein kostenloses Girokonto für Bestandskunden kostenpflichtig machen. 

comdirect warb weiter um Kunden

Die Bankenfusion sorgte allerdings keineswegs dafür, dass die comdirect nicht mehr um Neukunden warb. Im Gegenteil, im Oktober 2019 hat die Bank sogar eine besondere Aktion gestartet, um mehr Kunden von sich zu überzeugen.

Das klingt im ersten Moment kurios, hat allerdings vermutlich System: Wer sich jetzt noch für die attraktiven Konditionen der comdirect entscheidet, wird zukünftig automatisch Kunde der Commerzbankund wird möglicherweise auch dann nicht automatisch kündigen, wenn die Konditionen schlechter werden.

Commerzbank behält M-Bank doch

Die Commerzbank behält die M-Bank doch. Eigentlich sollte das polnische Tochterunternehmen verkauft werden. Auch aufgrund der Coronakrise schien die Frankfurter Großbank jedoch keinen attraktiven Preis mehr für die M-Bank erzielen zu können. Bettina Orlopp, Finanzvorständin der Commerzbank, dazu (Stand: 5/2020):

"Es ist klar, dass wir ein so wertvolles Asset wie die mBank nur dann verkaufen, wenn die Bedingungen stimmen. Das von der Corona-Krise geprägte Kapitalmarktumfeld ermöglicht es uns jedoch nicht, eine attraktive Bewertung zu erzielen, die dem tatsächlichen Wert der mBank entspricht."

Die Commerzbank hält immerhin 69,3 Prozent an der Warschauer Bank. Diese gilt Experten zufolge als eine der innovativsten Geldinstitute Europas. Bereits Anfang Februar 2020 hatte es Medienberichte gegeben, dass sich anscheinend nur ein ernsthafter Bieter für die M-Bank interessieren würde.

Bildquellen:

Commerzbank-Logo: unsplash.com | Kolar.io
comdirect-Logo: comdirect.de
Kreditkarte: kostenlose-kreditkarte.de
Frau mit Handy: comdirect.de
DKB: DKB
Commerzbank-Logo am Gebäude: pixabay.com - ulleo