Kommt ein pan-europäisches Zahlungssystem?

31.10.2020
Kommt ein pan-europäisches Zahlungssystem?

Eine echte Alternative zur kostenlosen Kreditkarte? Die Europäische Kommission arbeitet aktuell an einem pan-europäischen Zahlungssystem.

Inmitten der Krise plant die Europäische Kommission den Zeitgeist mitzunehmen. Aktuell zahlen immer mehr Menschen kontaktlos, auf Bargeld wird so stark verzichtet wie lange nicht mehr. Das gilt sogar in Deutschland, wo man traditionell eher dem Baren zugewendet ist. Die Europäische Kommission möchte diese Chance nutzen, um es Verbrauchern in Europa noch einfacher zu machen, mit alternativen Zahlungssystemen zu bezahlen. Möglich soll das durch ein neues pan-europäisches Zahlungssystem werden, das unabhängig von großen internationalen Konzernen sein soll.

Echtzeitüberweisungen als Kernbestandteil des Systems

Konkret möchte die Europäische Kommission den Grundstein in sogenannten Echtzeitüberweisungen legen. Hierbei handelt es sich um Transaktionen, die im Grunde einer normalen Überweisung sehr nahe sind. Der Unterschied ist, dass die Transaktion innerhalb von wenigen Sekunden beim Empfänger ankommt. Damit ist das System im Grunde vergleichbar mit der Nutzung von PayPal oder anderen Neo-Girokonten wie Revolut. Bislang gibt es Echtzeitüberweisungen allerdings nur in seltenen Fällen über Ländergrenzen hinweg. In Deutschland bieten einige Banken diesen Service bereits, oft allerdings nur gegen Aufpreis. Dies soll sich in den nächsten Monaten ändern, denn mit Echtzeitüberweisungen soll ein neues Zahlungssystem etabliert werden.

Regeln angleichen und Infrastruktur aufbauen

Ambitioniert sind die Ziele aus Europa sicherlich, so heißt es: „Die Kommission zielt auf volle Durchsetzung von Instant Payments in der EU bis Ende 2021“. Gelingen soll dies dadurch, dass die Regulierung in den EU-Staaten angepasst wird. Dies ist sicherlich ein Kernbestandteil, denn bislang sind die Finanzmarktregularien von Land zu Land unterschiedlich. Dazu kommt vielfach eine fehlende technische Kompatibilität. So kann man beispielsweise nicht mit einer deutschen Girokarte in Polen bezahlen. Genau solche Hürden sollen aus dem Weg geräumt werden, dazu soll die Infrastruktur deutlich verbessert werden. Auf Basis von Echtzeitüberweisungen sollen schon Ende des kommenden Jahres überall innerhalb der Europäischen Union einfache und schnelle Zahlungen möglich sein – potenziell auch angebunden an ein Kartensystem wie das der Girokarte.

Internationale Zahlungen nur mit Kreditkarte einfach

Aktuell ist die Situation weiterhin so, dass man auf Reisen eigentlich nur mit einer Kreditkarte wirklich problemlos überall bezahlen kann. Die Kartensystem von Visa, Mastercard und American Express ermöglichen weltweit Zahlungen an allen Akzeptanzstellen. Mit einer kostenlosen Kreditkarte kann man so beispielsweise genauso problemlos in Australien wie in den USA bezahlen. Auch innerhalb der Europäischen Union sind Zahlungen mit Karten wie der Deutschland-Kreditkarte oder der Gebührenfrei Mastercard Gold sehr einfach. Genau so etwas möchte die Europäische Union mit einem eigenen Zahlungssystem ebenfalls ermöglichen. Man kann gespannt sein, ob der ambitionierte Plan aufgeht.