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09.10.2015
Unklare Zukunft des gebührenfreien Girokontos

Bildquelle: © Jyothi | Dreamstime Stock Photos

Kostenlose Kreditkarte und das gebührenfreie Girokonto haben sich in den letzten Jahren etabliert. Es gibt kaum mehr jemanden, der weder das eine noch das andere kostenfrei nutzt. Doch damit könnte bald Schluss sein, meint zumindest die Bankenaufsicht Bafin. Sie sieht bei vielen Instituten die zwingende Erfordernis, die Preise mittelfristig zu erhöhen.

In den letzten Jahren haben sich das gebührenfreie Girokonto und die kostenlose Kreditkarte in Deutschland immer mehr etabliert. Boten anfangs einzig Direktbanken Produkte wie diese an, kamen irgendwann auch stationäre Institute hinzu. Auch heute gilt zwar grundsätzlich noch, dass meistens Direktbanken ein kostenfreies Angebot haben, während stationäre Institute Gebühren erheben. Das allerdings bedeutet nicht, dass es auch Ausnahmen gibt. Sogenannte Basis-Girokonten mit eingeschränktem Leistungsumfang gibt es mittlerweile auch bei vielen stationären Instituten ohne Gebühren. Die Bafin sieht genau darin ein Problem, denn die Produkte werfen meist keine Gewinne ab – sie kosten teilweise sogar nur die Bank Geld. Das gilt besonders, wenn auch noch eine Neukundenprämie bezahlt wird.

Kleine und mittelgroße Banken im Fokus

Die Bafin will mit ihrem Appell insbesondere kleine und mittelgroße erreichen, denn gerade bei denen sind die Gewinne derzeit auf Talfahrt. Wer ein gebührenfreies Girokonto und eine kostenlose Kreditkarte anbietet, die Kunden gleichzeitig aber nicht dazu bringt, auch andere Finanzdienstleistungen wahrzunehmen, der muss sich auf sinkende Gewinne oder gar Verluste einstellen. Die Bafin rechnet deswegen damit, dass die Gewinne von kleinen und mittelgroßen Instituten, die schon seit Monaten rückläufig sind, noch weiter sinken. Zwar gibt es derzeit noch keine Prognose, welche Banken im Niedrigzinsumfeld wirklich entscheidende Probleme bekommen könnten, doch der Stresstest der Bafin für kleinere Institute – und dabei besonders genossenschaftliche Banken und Sparkassen – zeigt, dass gerade Banken ohne große Marktmacht vor Schwierigkeiten stehen.

Niedrigzinsumfeld macht Banken zu schaffen

Was die Banken in eine so schwierige Lage bringt ist das andauernde Niedrigzinsumfeld, das die Folge der Geldpolitik der Europäischen Zentralbank ist. Durch die geringen Zinsen werden die Gewinne der Banken immer geringer, denn sie können das Geld ihrer Kunden nur noch selten gewinnbringend anlegen. Zudem fordern auch die Kunden selbst Zinsen und geben sich ungern mit dem Standardzins von null Prozent beim Girokonto oder bei Guthaben auf der kostenlosen Kreditkarte zufrieden. Den Spagat zu schaffen, dennoch weiterhin Geld zu verdienen, könnte für viele kleine Institute unmöglich sein. Das gilt besonders dann, wenn eine Bank auch noch hohe Fixkosten, etwa für ein Filialnetz oder für Mitarbeiter, hat. Für das gebührenfreie Girokonto und die kostenlose Kreditkarte könnte das den Todesstoß bedeuten.

Direktbanken mit weniger Problemen

Doch auch in Zukunft wird man in Deutschland auf ein gebührenfreies Girokonto und eine kostenlose Kreditkarte setzen können. Wenngleich stationäre Institute auf Grund ihrer relativ hohen Kostenstruktur Probleme haben, können Direktbanken mit ihren schlanken Strukturen auch weiterhin profitieren. Sie machen auch in Zeiten niedriger Zinsen vernünftige Gewinne und kämpfen – wie beispielsweise die DKB oder die comdirect – offensiv um neue Kunden. Besonders beworben wird dabei immer wie das kostenlose Girokonto mit gebührenfreier Kreditkarte. Dieses ist in gewissem Maße auch ein Lockprodukt, denn bei allen Banken gilt: Wer erstmal ein Girokonto hat, der ist auch für andere Finanzangebote des Instituts offen.


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