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Immer mehr Banken in Deutschland müssen schließen

11.10.2017

Seit der Jahrtausendwende bis zum Jahr 2015 schlossen fast 10.200 Bankfilialen im gesamten Bundesgebiet, dies betraf jeden vierten Standort. Dies fand KfW Research in Zusammenarbeit mit der Universität Siegen heraus. Man könnte nun meinen, dass es sich hierbei hauptsächlich um Banken, Sparkassen und andere Geldinstitute in ländlichen Gebieten (minus 23 Prozent) handelte, doch dies stimmt nicht ganz, denn es traf die Städte fast ebenso stark mit minus 27 Prozent. Im europäischem Vergleich liegt Deutschlands Filialdichte aber dennoch immer noch im mittleren Bereich.

Bisher ist kein Ende der Ausdünnung des Filialnetzes der Banken, Sparkassen und Genossenschaftsinstitute abzusehen. Denn es ist bereits bekannt geworden, dass sich größere Kreditinstitute noch weiter verkleinern wollen. Dies ist verständlich, da ein weitgefächertes Filialnetz sehr kostenintensiv ist, nicht zuletzt wegen der Mieten und des Personals. Zudem ist es für Banken schwieriger geworden in die Gewinnzone zu kommen, da es seit dem Jahr 2014 Negativzinsen gibt. Außerdem werden immer wieder Überkapazitäten abgebaut, wie sie durch Fusionen wie dem Zusammenschluss der Dresdner Bank und Commerzbank vor einigen Jahren entstanden sind. Je nach Region kam und kommt es aber auch zum Abbau wegen starkem Bevölkerungsrückgang.

Schließungen sind in 94 Prozent aller Kreise und kreisfreien Städte zu verzeichnen. Besonders stark betroffen ist der Landkreis Osterode am Harz, hier hat es einen Rückgang um 59 Prozent gegeben. Allerdings gibt es auch Regionen, wo die Zahl der Zweigstellen stagniert, zum Beispiel in Hamburg, Cottbus und Emden. Dem Trend entgegen stellen sich beispielsweise Frankfurt an der Oder wie auch der Landkreis Fürth, hier gab es sogar einen Wachstum von über 50 Prozent.
Nichtsdestotrotz gibt es gegenwärtig noch rund 27.900 Filialen in der ganzen Bundesrepublik. Eine deutsche Stadt verfügt durchschnittlich noch über 60 von ehemals 79 Filialen und ein Landkreis kommt noch auf 73 Standorte von vormals 101. Im Jahre 2015 betreute eine Filiale im Durchschnitt 2.900 Einwohner beziehungsweise es gab 4,1 Niederlassungen je 10.000 Einwohner. "Wir begrüßen diese Entwicklung, sofern sie eine angemessene und nachhaltige Ertragskraft der Banken und Sparkassen stärkt und dazu beiträgt, die Filialnetze an ein verändertes Kundenverhalten anzupassen", erklärte Dr. Andreas Dombret, im Vorstand der Bundesbank zuständig für den Bereich Banken und Finanzaufsicht, im Rahmen der Veröffentlichung der Bankstellenstatistik für das Jahr 2015.

Aber nicht nur Deutschland ist von dem Trend der Schließungen betroffen. Europäischer Spitzenreiter in den Jahren 2000 bis 2015 sind die Niederlande mit einem Rückgang von 66 Prozent, gefolgt von Dänemark (minus 53 Prozent) und Belgien (minus 48 Prozent). Aber auch hier gibt es wieder Ausnahmen wie Frankreich und Portugal, denn dort wurde das Filialnetz in dem selben Zeitraum um jeweils 50 Prozent ausgebaut. Die deutsche Filialdichte liegt dennoch im europäischem Vergleich im Mittel.

Auch wenn die Trends in verschiedene Richtungen zu laufen scheinen, so wird es dennoch immer weniger Geldinstitute in Deutschland geben. Berechnungen der KfW Research zufolge könnten es im Jahr 2035 nur noch ca. 15.000 bis 18.500 Filialen geben, je nachdem wie hoch man den prozentualen Rückbau beziffert (gemäßigt oder verschärft).

So oder so wird von einem weiteren Rückgang ausgegangen, da wohl die meisten Bankkunden mittlerweile und in Zukunft einiges selbst machen. Seien es Überweisungen, Daueraufträge oder sogar Darlehensanträge – all das kann der Kunde online und ohne Bankmitarbeiter erledigen. Maßgeblich ausschlaggebend hierfür ist sicherlich der technische Wandel mit immer schnellerem Internet. Zudem gibt es immer mehr Fintech-Unternehmen (digitale Neugründungen im Bereich Finanzdienstleistungen), die das Wettbewerbsumfeld der klassischen Banken erschweren und nachhaltig prägen. In Zukunft könnten veränderte Wettbewerbskonstellationen den Druck auf traditionelle Finanzinstitute erhöhen, so dass es womöglich zu einem beschleunigten Abbau der Filialen kommen kann. Aktuelle Herausforderung für die Banken ist die zeitnahe Umsetzung der eigenen Digitalisierung, da dies sämtliche Geschäftsbereiche betrifft, wird derzeit noch von einer Herkulesaufgabe gesprochen.

Dennoch ist eine Bank vor Ort noch immer für viele Menschen wichtig, gerade wenn man Probleme mit eben dieser hat. Gerade dann wünschen sich viele eine „echte“ Person zum Greifen. Besonders hervorzuheben sind Senioren und mittelständische Unternehmen, da diese beiden Gruppen die Nähe des Finanzinstituts zu schätzen wissen. Zudem ergibt sich aus der geringeren Distanz ein verbesserter Informationsfluss, gerade zwischen Kreditgeber und -nehmer. Frühere Analysen von KfW Research zeigten auf, dass die durchschnittliche Distanz bei einer Verminderung der Filialdichte zur nächsten Zweigstelle um fünf Kilometer zunimmt. Dies ist ein Mittelwert, welcher im ländlichen Raum durchaus höher ausfallen kann. „Solange auch bei abnehmender Filialzahl die für den Mittelstand wichtigen Bankdienstleistungen erhalten bleiben, dürften die Folgen dieses Veränderungsprozesses für den Wirtschaftsstandort Deutschland überschaubar bleiben“, so Dr. Jörg Zeuner, Chefvolkswirt der KfW Bankengruppe.

In dieser Studie sind nur reguläre Bankfilialen (mit Mitarbeitern ausgestattet und Vollzeit geöffnet) erfasst worden, das heißt Einrichtungen wie Servicecenter, Zahlstellen und Bankbusse fanden keinerlei Berücksichtigung.

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