Kreditkarten werden als Zahlungsmittel falsch eingeschätzt

08.07.2018
Kreditkarten werden als Zahlungsmittel falsch eingeschätzt

Dass die Kreditkarte in Deutschland kaum von der Stelle kommt, ist hinlänglich bekannt. Doch warum sind Kreditkarten weniger beliebt als andere Zahlungsmittel?

Gefühl statt Fakten

In Deutschland spielen viele Zahlungsmittel eine Rolle, wenn es um Einkäufe im Einzelhandel sowie im Internet geht. Die Kreditkarte gehört zwar dazu, hat aber einen geringen Marktanteil. Das zeigt sich auch im Verhältnis zu anderen Ländern, in denen Kreditkarten den Markt oft dominieren.

Doch warum sind die Deutschen Kreditkarten gegenüber so verschlossen und was stört sie an dem ansonsten so praktischen Zahlungsmittel? Auf diese Frage gibt es mehrere Antworten, bei denen häufig die subjektive Wahrnehmung entscheidet.

Warum sind Kreditkarten in Deutschland noch unpopulär?

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Dass Kreditkarten von Mastercard, Visa und Co hierzulande noch unpopulär sind, hat verschiedene Gründe. Es könnte vor allem an einer subjektiven Wahrnehmung liegen. Eine Studie der Deutschen Bundesbank hat Verbraucher gefragt, welches Zahlungsmittel die folgenden Eigenschaften am besten erfüllt:

  • Sicherheit vor finanziellem Verlust
  • Ausgabenüberblick
  • Einfache Nutzung
  • Wahrung der Privatsphäre
  • Breite Einsatzmöglichkeiten
  • Vertrautheit

Bei den drei Antworten „Bargeld", „Giro- und andere Debitkarten“ sowie „Kreditkarten“ hat letztere in jeder einzelnen Kategorie verloren – teilweise sogar deutlich. Interessant ist das allen voran deshalb, weil die Einschätzung in vielen Bereichen an der Realität weit vorbeigeht. Die Wahrnehmung von Kreditkarten ist in Deutschland also besonders schlecht, obwohl es dafür eigentlich wenige Gründe gibt.

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Das zeigt sich bei der Frage „Sicherheit vor finanziellem Verlust“. Hier gaben nur 21 Prozent der Verbraucher an, dass sie die Kreditkarte für das beste Zahlungsmittel halten. Bargeld und die Girokarte erhielten je über 40 Prozent. Dabei ist die Haftung von Kreditkarten bei Verlust auf maximal 50 Euro begrenzt, in den meisten Fällen gibt es sogar gar keine Haftung. Außerdem sind gestohlene Kreditkarten für Betrüger nur bedingt wertvoll. Denn für größere Zahlungen ist in der Regel eine PIN notwendig. Heutzutage ist auch bei Zahlungen im Internet meist eine zweite Verifizierung, etwa durch SMS-TAN, notwendig ist. Bargeld dagegen ist bei einem Verlust fast immer komplett weg. Die Girokarte ist noch am ehesten vergleichbar mit einer Kreditkarte. Trotz all dieser Argumente sehen Verbraucher die Kreditkarte in dieser Kategorie subjektiv als weniger sicher an.

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Nutzung der Kreditkarte wird falsch eingeschätzt

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Auch beim Punkt „Nutzung der Kreditkarte“ scheint die Einschätzung der meisten Verbraucher ein wenig an der Realität vorbeizugehen. In diesem Punkt hat das Bargeld mit einem Wert von über 90 Prozent ganz klar die Nase vorn. Die Kreditkarte kommt nur bei einem Viertel aller Verbraucher gut an. Doch woran kann es liegen, dass die Verbraucher die Nutzung der Kreditkarte alles andere als einfach finden? Experten gehen davon aus, dass dies an der Gewöhnung liegt. Die Deutschen verwenden Bargeld seit Jahrzehnten und finden das Einkaufen im Einzelhandel mit diesem Zahlungsmittel vergleichsweise simpel.

Dabei zeigen Statistiken, dass die Kreditkarten-Zahlung im Einzelhandel schneller geht – schon allein wegen der neuen NFC-Technologie. Bei der Einfachheit spielen natürlich auch andere Faktoren wie die Akzeptanz oder auch das Merken einer PIN eine Rolle. Dennoch sind die großen Unterschiede zwischen Girokarte (über 70 Prozent) und der Kreditkarte (26 Prozent) kaum erklärlich. Bei beiden Zahlungsmitteln läuft die Zahlung im Einzelhandel im Prinzip identisch ab. Darüber hinaus ist es mit einer Kreditkarte bereits heute häufiger möglich, per NFC zu bezahlen. In Zukunft soll das zwar auch mit mehr Girokarten der Fall sein. Die Technologie ist bei Kreditkarten aber bereits weiter ausgebreitet. Hinzu kommt: Mit einer Kreditkarte kann man auch im Internet bezahlen.

Das Meinungs-Paradoxon lässt sich weiterhin dadurch erklären, dass die wenigsten Verbraucher in Deutschland ihre Kreditkarte auch wirklich im Alltag nutzen. Während die über 30 Millionen Karten in Deutschland zur Zahlung von Reisen oder im Ausland häufig zum Einsatz kommen, ist die Nutzung im Alltag stark eingeschränkt – besonders außerhalb von Großstädten. Dadurch lässt sich gleichzeitig auch die große Abweichung der Meinung einer Mehrheit der Deutschen im Vergleich zu andere Ländern erklären. Das Paradoxon zeigt sich nicht nur ein Mal an der Statistik. Diejenigen, die eine Kreditkarte besitzen, haben bei dem Wert „Einfache Nutzung“ mehr als doppelt so häufig die Kreditkarte gewählt. Die kritische Haltung gegenüber von Kreditkarten existiert also vor allem bei denjenigen, die das Zahlungsmittel nicht nutzen.

Geringe Vertrautheit als Problem der Kreditkarte

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Eines der entscheidenden Stichworte rund um die Einschätzung von verschiedenen Zahlungsmitteln ist die Gewohnheit. Sind Menschen mit einem Zahlungsmittel zufrieden, haben sie keinen Grund, sich für eine Alternative zu entscheiden. Genau daran scheitert die Kreditkarte auch in Deutschland. Das sieht man auch am Punkt „Vertrautheit“, der bei der Befragung der Deutschen Bundesbank ebenfalls eine Rolle gespielt hat. Fast alle Deutschen gaben an, dass sie das Bargeld als vertrautes Zahlungsmittel sehen. Bei der Girokarte sind es immerhin über 70 Prozent. Mit der Kreditkarte als Zahlungsmittel sind gerade einmal 24 Prozent der Deutschen vertraut, obwohl zumindest knapp 35 Prozent der Einwohner eine Kreditkarte haben.

Genau hier zeigt sich aber auch das große Problem der Kreditkarte. Auch wenn Visa und Mastercard jedem ein Begriff sind, haben viele Deutsche noch nie eine Kreditkarte ausprobiert. Das liegt nicht nur daran, dass es viele subjektive Ängste vor dem Zahlungsmittel gibt. Das Problem ist vielmehr, dass die Deutschen mit anderen Zahlungsmitteln vertraut sind und ihr Zahlungsverhalten nicht ändern wollen. Die Girokarte und die Kreditkarte unterscheiden sich bei Zahlungen im Einzelhandel kaum, warum also wechseln? Möglicherweise müssen die Kartenkonzerne also allen voran eines tun, um das Zahlungsmittel voranzubringen: Aufklärung betreiben, denn nur so verstehen Verbraucher das Zahlungsmittel auch besser.

Dann wird vielleicht auch klar, dass eine kostenlose Kreditkarte im Portemonnaie nicht nur für den Urlaub eine sinnvolle Sache ist, sondern sich auch im Alltag lohnen kann. Das gilt besonders dann, wenn die Kreditkarte auch noch zusätzliche Vorteile wie einen Tankrabatt oder eine Rückvergütung bringt. Hat man diese Vorzüge erst einmal kennengelernt, versteht man auch, warum die Kreditkarte in anderen Ländern als Zahlungsmittel deutlich beliebter ist.

Bildquellen:

Kreditkarten in der Geldbörse: pixabay.com - stevepb
Kreditkarten in der Geldbörse: https://pixabay.com/de/brieftasche-kreditkarten-bargeld-908569/
Logos: Mastercard
Kreditkarte und Schloss: pixabay.com - TheDigitalWay
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DKB: DKB
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