Österreicher lassen Tradition beim Bezahlen hinter sich

08.01.2019

Österreich und Deutschland sind beim Bezahlen seit jeher traditionell eingestellt. Doch gerade in der Alpenrepublik zeigt sich langsam ein Wandel.

Tradition in Österreich

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Wer in Deutschland auf eine kostenlose Kreditkarte setzt, ist zumindest kein ‚Alien‘ mehr. Noch vor Jahren haben hierzulande fast alle Verbraucher mit Bargeld oder einer Girokarte bezahlt. Mittlerweile spielt auch die Kreditkarte eine nicht zu verachtende Rolle.

Noch traditioneller ist in dieser Hinsicht fast nur Österreich. Doch Experten gehen davon aus, dass in der Alpenrepublik ein Quantensprung bevorsteht. Denn schon jetzt zeigen sich schon gravierende Veränderungen.

80 % mit Bargeld

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In Österreich ist der Anteil der Barzahlungen so hoch wie fast nirgendwo anders in Europa. Im Einzelhandel werden nach einer neuen Studie der Zentralbank 80 Prozent der Zahlungen mit Bargeld abgewickelt. Das sind im Verhältnis fast doppelt so viele wie in Deutschland. Der Anteil am gesamten Zahlungsmarkt (inklusive Online-Zahlungen) des Bargelds liegt damit bei 65 Prozent. Kreditkarten spielen in der Alpenrepublik bislang kaum eine Rolle, was eine Erklärung für den enormen Anteil der Barzahlungen ist. Gleichzeitig hat sich in Österreich aber auch die Debitkarte nicht vollends durchgesetzt.

Die in Österreich als Bankomatkarte (siehe Tweet unten) bekannte Karte wird von den Verbrauchern zwar hier und da für Zahlungen im Einzelhandel eingesetzt. Sie steht in der Statistik aber klar auf dem zweiten Platz. Die meisten Österreicher nutzen die Karte hauptsächlich für Abhebungen am Geldautomaten. Das gilt sowohl für das Inland als auch für das Ausland. Denn die Österreicher heben auch im Ausland selten mit der Kreditkarte Bargeld ab. Damit ist der Zahlungsmarkt in Österreich sogar noch traditioneller als in Deutschland. Hierzulande entscheiden sich aber immer mehr Verbraucher für die Nutzung einer kostenlosen Kreditkarte, zumindest für Abhebungen und Zahlungen auf Reisen.

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Dominant ist das Bargeld in Österreich besonders bei kleineren Summen im Einzelhandel. Bei Transaktionen mit einem Maximalwert von 10 Euro zahlen mehr als 90 Prozent mit Münzen und Scheinen. Auch in Deutschland ist die Anzahl der Barzahler in diesem Bereich hoch. Im Vergleich ist sie jedoch etwas niedriger. In Österreich zahlen auch bei Summen von über 100 Euro noch 47 Prozent und damit fast die Hälfte aller Verbraucher bar. In Deutschland zahlen bei dieser Größenordnung nicht einmal mehr ein Drittel der Verbraucher mit Bargeld. Das wichtigste Zahlungsmittel ist hier die Girokarte. Auch die Kreditkarte spielt bei höheren Summen eine deutlich wichtigere Rolle als in Österreich.

Zahl der bargeldlosen Transaktionen nimmt stark zu

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Doch auch wenn die Statistik im Prinzip darauf hindeutet, dass sich ein Zahlungsmittel wie die kostenlose Kreditkarte in Österreich nie durchsetzen wird, sprechen auch einige Fakten genau dafür. Eine neue Gallup-Umfrage beispielsweise zeigt, dass 90 Prozent der Österreicher mehr oder minder häufig mit einer Kreditkarte- oder Girokarte bezahlen. Eine so hohe Zahl gab es in vergleichbaren Umfragen noch nie. Knapp zwei Drittel der Teilnehmer gaben zudem an, dass sie dem kontaktlosen Zahlen grundsätzlich positiv gegenüberstehen. Dadurch könnte das bargeldlose Bezahlen gerade bei kleineren Beträgen zum Alltag werden.

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Auch ein anderer Trend spricht dafür, dass Kreditkarten in Österreich zukünftig eine größere Bedeutung einnehmen könnten. Insgesamt 64 Prozent gaben in der Gallup-Umfrage an, dass sie fallweise online einkaufen würden. Vor fünf Jahren waren es nur 49 Prozent. Auch diese Zahlen sind im Vergleich zu anderen Ländern noch sehr konservativ. Doch der Trend zu Online-Einkäufen verläuft parallel zu mehr Zahlungen per Kreditkarte oder anderen bargeldlosen Zahlungsmitteln. Wenn also mehr Österreicher im Internet einkaufen, wird auch die Zahl der Kartenzahlungen zwangsläufig steigen.

Wenngleich weitere Umfragen zeigen, dass Österreich im Bereich von innovativen Zahlungsmitteln eher mittelmäßig abschneidet, sehen Experten dennoch das Potenzial für einen Quantensprung. Gerade das kontaktlose Bezahlen könnte einen Schub bringen. Die meisten Experten sind sich einig, dass die Bedeutung von Bargeld im Zahlungsverkehr zurückgehen wird. Wenngleich im traditionell geprägten Österreich bei Zahlungen im Einzelhandel wohl auch in den nächsten Jahren das Bargeld den Löwenanteil behält. So wird der Anteil der Barzahlungen zweifelsfrei sinken – zugunsten von mehr Zahlungen mit Giro- und Kreditkarten.

Banken erkennen den Trend zur Kreditkarte

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Dass sich in Österreich langsam ein Wandel einstellt, lässt sich auch an anderen Faktoren festmachen. Die Sparkassen haben beispielsweise bekanntgegeben, dass sie ihre Kunden zukünftig mit einer Kreditkarte ausstatten möchten. Diese soll dabei nicht zusätzlich zur Bankomatkarte ausgestellt werden, sondern diese ersetzen. Das Ziel der Aktion ist klar: Die Sparkassen möchten, dass die Kunden mit ihrer normalen Zahlkarte zukünftig auch im Internet bezahlen können. Die Sparkassen arbeiten für diese große Expansion mit Mastercard zusammen.

Doch nicht nur mehr Angebote von Banken, etwa für kostenlose Kreditkarten, können für einen Wandel am österreichischen Bezahlmarkt sorgen. Auch die technische Entwicklung wird eine große Rolle spielen. Da sind sich Experten in Deutschland und Österreich sicher. Zuerst zu nennen ist dabei zweifelsfrei das kontaktlose Bezahlen per NFC. In vielen Ländern zeigt sich bereits, dass diese Technologie sehr gut angenommen wird. Immer mehr Verbraucher bezahlen im Einzelhandel auch kleinere Beträge per Kreditkarte. Hinzu kommt, dass Wallet-Lösungen wie Google Pay gerade im Kommen sind und auf derselben Technik basieren. Sie könnten schon in wenigen Jahren für einen großen Teil aller Zahlungen im Einzelhandel verantwortlich sein.

Auch bezüglich der Verifizierung von Zahlungen tut sich viel. Bei NFC-Transaktionen ist für Kleinbeträge gar keine Verifizierung mehr nötig. Doch auch für größere Beträge soll sich das System von PIN und Unterschrift ändern. Stattdessen sollen neue Technologien zur Zahlung über Gesichtserkennung oder den Fingerabdruck kommen. Was nach Science-Fiction klingt, wird bereits in vielen Ländern getestet. Auch in Österreich könnten Lösungen wie diese zu einer echten Veränderung am Zahlungsmarkt führen.

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