Will Mastercard das Bargeld abschaffen?

27.11.2018
Will Mastercard das Bargeld abschaffen?

Der oberste Produktverantwortliche von Mastercard ist ausgerechnet ein Deutscher. Im Gespräch mit der "Welt" erklärt Michael Miebach, wie sich das Bezahlen in den kommenden Jahren verändern wird. Denn aktuell kann auch er in Deutschland nicht komplett auf Bargeld verzichten. 

Bares war mal Wahres?

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In Deutschland gehört Mastercard mit seinen Kreditkarten zu den Marktführern. Konkurrent Visa hat zwar fast genauso viele Karten vertrieben. Mastercard hat die Nase allerdings leicht vorn. Das liegt auch der Historie. Diese ist bei Mastercard eng mit dem Anbieter Eurocard verknüpft ist, der den europäischen Markt einst dominierte.

Doch Mastercard lebt schon lange nicht mehr in der Vergangenheit. Der US-Konzern arbeitet vielmehr am Bezahlen der Zukunft. Nicht umsonst sieht sich Mastercard eher als Technologiekonzern und nicht als typisches Kreditkarten-Unternehmen, so Produkt-Manager Michael Miebach.

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In Deutschland reicht die Kreditkarte allein noch nicht

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Im Welt-Interview macht Miebach klar, dass die Kreditkarte zukünftig den Bezahl-Markt dominieren soll. In Deutschland tut er sich mit der Argumentation jedoch schwer. Denn für die Reise nach München (er lebt in New York) musste er sein Portemonnaie erst einmal „umrüsten“. Neben der ein oder anderen Mastercard-Kreditkarte ist im Portemonnaie auch Bargeld zu finden – und eine girocard. Zwar sei er bislang auf seinem Trip ohne Münzen und Scheine ausgekommen. Er war allerdings auch nur in der Metropole München. Zugeben muss er unter anderem, dass er bei einem Trip in seine Heimat Rottal bei Passau ohne Bargeld aufgeschmissen wäre. Die Akzeptanz (kostenloser) Kreditkarten von Mastercard sind hier eher die Ausnahme - wie in vielen kleineren Orten in Deutschland. 

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Interessant ist aber auch eine andere Erkenntnis: Laut Miebach spielt Bargeld nicht nur in Deutschland eine wichtige Rolle. In den USA würde Bares teilweise häufiger genutzt. Kreditkarten-Transaktionen sind dort zwar wichtiger und machen einen großen Anteil der gesamten Zahlungssummen im Einzelhandel aus. Es bleibt ein entscheidender Faktor: das Trinkgeld. In den USA wird an jeder Stelle Trinkgeld gegeben. Dafür verwenden die Kunden oft Bargeld. Trinkgeld kommt in Deutschland nicht in diesem Ausmaß vor. Dafür ist die Akzeptanz von Kreditkarten aber geringer, vor allem bei vielen kleineren Händlern oder beispielsweise beim Bäcker um die Ecke.

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Miebach will Kreditkarten als Zahlungsmittel auch in Deutschland populärer machen. Warum? Weil Bargeld zu hohe Kosten für die Volkswirtschaft mit sich bringe. Diese liegen bei knapp 1,5 Prozent der Wirtschaftsleistung. Das sind viele Milliarden Euro allein in Deutschland. Konkret sind Zahlungen per Kreditkarte deshalb mittlerweile auch günstiger. Denn die Transaktionsentgelte sind auf 0,3 Prozent gedeckelt. Auch deswegen sind Kartenzahlungen auf Seite der Händler in den vergangenen Jahren attraktiver geworden. Bei Mastercard & Co ist man sich sicher, dass Karten-Transaktionen für Händler und die Volkswirtschaft günstiger sind.

Allerdings handelt es sich hier vor allem um eine einseitige Sicht. Denn noch vor wenigen Jahren lagen die Gebühren für Transaktionen teilweise bei bis zu 4 Prozent. Erst durch staatliche Regulierung sind die Kartenzahlungen für Händler günstiger geworden als die angesprochenen 1,5 Prozent. So viel kostet wohl ungefähr eine Barzahlung. Zudem kommen noch weitere Gebühren für Händler hierzu, etwa für Zwischenhändler, die Lesegeräte und mehr.

Datenschutz als wichtiger Aspekt beim Bezahlen

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Ein wichtiger Aspekt beim Thema Bezahlen in Deutschland ist der Datenschutz. Viele Millionen Kunden bezahlen zwar per girocard oder Kreditkarte. Die große Angst dabei: Es könnte eine Datenspur entstehen, die das genaue Zahlungsverhalten aufzeigt. Der Mastercard-Manager will hier jedoch gegensteuern. Denn laut seiner Aussage erhält sein Konzern alle Daten nur komplett anonymisiert. Namen der Kunden sind Mastercard unbekannt, abgesehen von der 16-stelligen Kartennummer. Das liege daran, dass die Karten von Partnerbanken ausgegeben werden. Diese Institute können Kartennummer und Name verknüpfen, dürfen diese Information aber nicht an Mastercard weitergegeben.

Der US-Konzern erstellt zwar generell eine Datenspur, aber nicht für die jeweilige Nummer. Vielmehr halte sich Mastercard an die Datenschutzverordnung, die im Mai 2018 in Kraft getreten sei. Dennoch werden natürlich die Einkaufsdaten der Kunden ausgewertet. Immerhin verdient Mastercard hiermit viel Geld. Die Rede ist jedoch von einer gebündelten oder auch aggregierten Weitergabe. Dies bedeutet, dass Mastercard nur Daten über Trends an seine Vertragspartner weitergibt. Als Beispiel nennt Miebach einen besonders hohen Umsatz für Elektrogeräte, auf den Partner dann beispielsweise mit Sonderangeboten reagieren können. Auch lokale Daten werden dafür verwendet, sodass Händler die jeweiligen Angebote noch besser steuern können.

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Hier folgt schnell der Hinweis, dass alle Daten anonymisiert weitergegeben werden. Hinzu kommt, dass Mastercard nicht den vollständigen Warenkorb auswerten. Denn das US-Unternehmen weiß nicht, was Verbraucher konkret gekauft haben. Vielmehr erhält Mastercard nur einen bestimmten Code, der für eine Produktgruppe steht. Der Kartenkonzern weiß also, was wann (Tag) und wo gekauft wird. Allerdings ist dabei unbekannt, dass es sich um „Sie“ handelt.

Auch bei aller Anonymität dürfen Sie natürlich nach der Datenschutzverordnung eine Löschung Ihrer Datenspur verlangen. Aber nicht direkt bei Mastercard. Denn der Konzern weiß mit Ihrem Namen schlichtweg nichts anzufangen. Dies muss über Ihren persönlichen Vertragspartner (Bank) geschehen. Sofern Sie hier die Löschung Ihrer Daten verlangen, wird diese Anfrage auch an Mastercard weitergegeben.

Kontaktlos bezahlen mit Biometrie & Co

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Zum Schluss des Interviews mit der Welt geht Miebach noch auf das Bezahlen der Zukunft ein. Nach seiner Vision sieht der Bezahlmarkt in zehn Jahren schon ganz anders aus. Die meisten Zahlungen werden über Bezahl-Apps wie Apple Pay oder Google Pay per Smartwatch, Smartphone und Co laufen. Die Kreditkarte bleibt zwar hinterlegt, ist aber nur noch selten physisch im Einsatz. Statt PIN und Unterschrift wird auch die Verifizierung von Zahlungen ganz anders laufen. Stattdessen werden zum Beispiel Fingerabdruck oder ganz neue Methoden genutzt.

Das alles klingt durchaus realistisch und zeigt gut, dass Mastercard längst mehr als ein typischer Kartenkonzern ist. Mit einer kostenlosen Kreditkarte des US-Konzern sind Sie also bei den meisten Trends vermutlich mit dabei. Bargeld gehört aber sicher nicht zu den Top-Themen. Dennoch wird es den Deutschen mit Sicherheit noch eine ganze Weile erhalten bleiben. 

Bildquellen:

Titelbild: pixabay.com - typographyimages/kreatikar
Visa und Mastercard: pixabay.com - Manuchi
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Code und Schloss: pixabay.com - typographyimages
Mastercard-Logo: Alexey Novikov | Dreamstime
kontaktlos per NFC bezahlen: pixabay.com - kalhh