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Ein weiterer deutscher Verkehrsbetrieb akzeptiert Kreditkartenzahlungen

17.02.2018

Immer mehr Verkehrsbetriebe in Deutschland ermöglichen den Ticketkauf mit der Kreditkarte. Zuletzt beispielsweise die EVAG, die Erfurter Verkehrsbetriebe AG. Dennoch können Sie mit einer Kreditkarte noch längst nicht überall Fahrkarten kaufen.

Kaum etwas ist so verwirrend wie der Kauf von Nahverkehrstickets. Wenn Sie das erste Mal in einer neuen Stadt sind, tun Sie sich vermeintlich sehr schwer, das Verkehrsnetz zu verstehen. In vielen Städten in Deutschland gibt es sogenannte Waben, Zonen oder ähnliche Unterscheidungen zwischen verschiedenen Teilen der Stadt. Dazu kommen dann noch Sondertickets wie ein Kurzstreckenticket, ein Wochenendticket oder ein Abendendticket. Im ersten Moment ist es also alles andere als einfach, das richtige Ticket zu finden. Danach kommt das nächste Problem: Die Zahlung, denn diese ist teilweise nur mit sehr wenigen Zahlungsmittel möglich. Die Kreditkarte wird an deutschen Fahrkartenautomaten längst nicht überall akzeptiert.

Jede deutsche Stadt hat ein anderes Nahverkehrssystem

In kaum einem anderen Land ist es auch nur im Ansatz so komplex wie in Deutschland, das richtige Ticket für eine Fahrt mit einem Nahverkehrsmittel zu kaufen. Blickt man beispielsweise nach Frankreich, ist das System deutlich einfacher. Hier gibt es in den meisten Städten genau ein einziges Ticket, mit dem Sie zumindest ein Verkehrsmittel von einem beliebigen Punkt zu einem anderen nutzen können. Selbst in Paris, immerhin einer Stadt mit fast 20 Millionen Einwohnern, können Sie mit demselben Metro-Ticket für 1,90 Euro im gesamten Metro-Netz fahren – vom nördlichsten Punkt zum südlichsten Punkt und so weiter. Natürlich gibt es für das Regionalzugnetz RER auch hier unterschiedliche Zonen und auch Tickets zum Flughafen kosten mehr, aber dennoch fällt auf, dass das System signifikant einfacher ist als in Deutschland. Übrigens können Sie auch an fast allen Automaten mit einer Kreditkarte bezahlen.

In Deutschland dagegen ist die Sache weder einheitlich noch leicht verständlich. Fast jede Stadt hat ein unterschiedliches Verkehrssystem. Selbst kleinere Städte wie Frankfurt (Oder) haben ein System mit verschiedenen Zonen, sodass Sie immer genau darauf achten müssen, wo Sie einsteigen und wo Sie wieder aussteigen. Dazu kommt, dass nicht einmal die Benennung einheitlich ist. In manchen Städten gibt es Waben, in anderen gibt es Zonen. Manchmal werden Buchstaben verwendet und manchmal Zahlen. Dazu gibt es gesonderte Tickets, die nur zu bestimmten Tageszeiten gelten (beispielsweise ein Tagesticket ab 9 Uhr in Hamburg) und solche, die nur für bestimmte kurze Strecken gelten. Die sogenannte Kurzstrecke ist dabei das ideale Beispiel dafür, wie komplex das deutsche System wirklich ist: Die Kurzstrecke wird nämlich in fast jeder deutschen Stadt anders definiert. Verwirrung ist da natürlich vorprogrammiert.

Jeder Verkehrsbetrieb hat eigene Fahrkartenautomaten

Doch wer das komplexe System erst einmal durchblickt hat, sollte sich nicht zu früh freuen. Auch die Bezahlung an deutschen Ticketautomaten ist teilweise eine echte Herausforderung. Akzeptiert werden nämlich immer unterschiedliche Zahlungsmittel. Ein einheitliches System gibt es auch in dieser Hinsicht nicht. Die Regel ist, dass Fahrkartenautomaten Münzen und Scheine akzeptieren. Darüber hinaus akzeptieren manche Fahrkartenautomaten sogenannte Geldkarten (dabei handelt es sich um ein veraltetes System mit einem Chip auf der Girokarte, auf den Sie bestimmte Summen aufladen können). Andere wiederum akzeptieren tatsächlich normale Girokarten oder zumindest das moderne GiroGo System.

Die Erfurter Verkehrsbetriebe AG (EVAG) hat nun als einer von bereits mehreren Betrieben in Deutschland damit begonnen, auch Kreditkarten zu akzeptieren. Die Regel ist das leider nicht, denn an den meisten Automaten werden auch die gängigen Kreditkarten von Visa und Mastercard nicht akzeptiert. Wirklich überraschend ist das nicht, denn in vielen Städten werden noch nicht einmal Girokarten zur Zahlung von Fahrkarten akzeptiert. Bargeldlos ist der Fahrkartenkauf in Deutschland also noch lange nicht – obwohl dies gerade beim Kauf von Fahrscheinen so praktisch wäre.

Doch es geht sogar noch schlimmer: In einigen Verkehrsbetrieben gibt es sogar noch Automaten, die keine Scheine akzeptieren. Sie müssen also beispielsweise selbst ein Ticket für 8,50 Euro mit Münzen bezahlen. Haben Sie nicht genug Kleingeld, können Sie kein Ticket kaufen. Das gilt besonders in den meisten Automaten, die innerhalb eines Fahrzeugs zu finden sind. Beispielweise gibt es bei den Bochumer Verkehrsbetrieben einige Straßenbahnen mit einem Fahrkartenautomaten. Hier können Sie Tickets für die Kurzstrecke sowie normale Strecken kaufen – aber eben nur dann, wenn Sie gerade Münzen dabeihaben.

Doch es wird noch komplizierter, wie sich am Beispiel der Bochumer Verkehrsbetriebe gut zeigen lässt. Die Betreiber haben vor einigen Jahren nämlich neue Straßenbahnen geordert – diese jedoch haben überhaupt keinen Automaten mehr, stattdessen kann man das Ticket nun beim Fahrer kaufen. Man würde nun erwarten, dass dafür in Automaten an den Haltestellen investiert worden wäre. Auch hier allerdings heißt es: Fehlanzeige. Wer sein Ticket nicht am Handy kauft oder bereits zuvor vorgesorgt hat, steht ohne Ticket dar, sollte ein Automat in der Bahn einmal defekt – oder pokert, dass es sich um eine neue Straßenbahn handelt, in der man das Ticket direkt beim Fahrer kaufen  kann.

Auch Apps und deren Zahlungsmittel unterscheiden sich

Unter dem Namen „HandyTicket“ gibt es in Deutschland eine App, mit der Sie Fahrkarten für zahlreiche verschiedene Verkehrsbetriebe kaufen können. Möglich ist dabei unter anderem auch die Zahlung mit Kreditkarte, darunter Visa, Mastercard und American Express. Damit konnten Sie bislang zum Beispiel auch in Bochum Fahrkarten kaufen und waren somit nicht zwanghaft ohne Ticket unterwegs, wenn Sie an einer Haltestelle ohne Automaten einsteigen mussten. Damit ist es aber mittlerweile vorbei, denn die Verkehrsbetriebe haben ihre Zusammenarbeit mit HandyTicket beendet. Kein Einzelfall, denn keineswegs alle Verkehrsbetriebe in Deutschland nehmen an dem System teil – für Verbraucher wird es dadurch noch komplexer.

Mittlerweile setzen immer mehr Verkehrsbetriebe lieber auf eine eigene App. Hier ist dann auch der Ticketkauf möglich. Wer allerdings in vielen verschiedenen Städten unterwegs ist, bräuchte zahlreiche verschiedene Apps. Immerhin sind viele (aber bei weitem nicht alle) Verkehrsbetriebe in den Apps HandyTicket oder moovel gebunden. Hier können Sie auch jeweils zwischen mehreren Zahlungsweisen, darunter auch die Kreditkarte, wählen. Das macht den Ticketkauf deutlich einfacher und verlässlicher. Eine Garantie sind die beiden Apps aber noch lange nicht, denn es gibt weiterhin in dieser Hinsicht komplett eigensinnige Verkehrsbetriebe. Diese hatten mittlerweile zwar auch selbst eine App, diese muss man sich unterwegs aber erst einmal herunterladen. Wie Sie sich denken können, werden natürlich auch nicht bei allen Verkehrsbetrieben dieselben Zahlungsmittel akzeptiert. Einfacher wird der Fahrkartenkauf in Deutschland so schnell also leider nicht, auch wenn manche Verkehrsbetriebe wie die EVAG Fortschritte machen.

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