Funktioniert Google Pay ohne Kreditkarte?

11.11.2018
Funktioniert Google Pay ohne Kreditkarte?

Google Pay könnte kostenlose Kreditkarten verdrängen, sagen manche. Andere behaupten wiederum das Gegenteil. Doch funktioniert der mobile Bezahldienst von Google überhaupt ohne Kreditkarte? Aber brauchen Sie dafür immer Visa, Mastercard und Co? 

Boomt Mobile Payment?

Google hat es als erstes großes Unternehmen wirklich geschafft: Der Suchmaschinen-Riese hat im Juni 2018 seinen mobilen Bezahldienst in Deutschland gestartet. In der Finanz-Szene haben viele Nutzer die späte Einführung als eine kleine Revolution gefeiert. Hierzulande bezahlt immerhin fast niemand mit dem Smartphone. 

Alle bekannten Wallet-Lösungen sind durchgefallen. Die meisten davon führen entweder ein Schattendasein oder sind längst vom Markt verschwunden. Nun ist Google Pay da. Die weltweit erfolgreichen US-Amerikaner haben mit ihrem neuen Zahlungsdienst natürlich große Ziele. Doch verdrängt dieser Service am Ende die Kreditkarte oder sorgt der Dienst dafür, dass Visa, Mastercard und Co noch attraktiver werden?

Google Pay war an Kreditkarten gebunden

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Als Google Pay in Deutschland eingeführt wurde, war der Dienst direkt an eine Kreditkarte gebunden. Hinterlegen konnte man in der Wallet-Lösung ausschließlich Karten von Visa und Mastercard. Damit konnten also all diejenigen profitieren, die eine passende Kreditkarte von den ausgesuchten Partnerbanken besaßen. Doch kein halbes Jahr nach der Einführung ist die Dominanz der Kreditkarte bei Google Pay schon wieder Geschichte.

Aber wieso? Immerhin ist die direkte Nutzung von Girokonten oder einer Girocard bei Google Pay auch weiterhin nicht möglich. Doch die Phalanx der Kreditkarte bei dem Zahlungsdienst bröckelt dennoch stark. Denn Google arbeitet mit Revolut und PayPal zusammen. Bei Revolut handelt es sich im Prinzip um ein elektronisches Girokonto, das man per Überweisung oder mit einer Kreditkarte aufladen kann. Wer Revolut nutzt und per Überweisung auflädt, kann Google Pay mittlerweile auch ohne die Verknüpfung mit einer Kreditkarte nutzen. Das ist ein erstes Indiz für das Ende der Monogamie der Zahlungsarten bei Google Pay.

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Wichtiger ist die Integration von PayPal. Denn der US-Bezahldienst lässt sich auf verschiedene Wege nutzen. Das PayPal-Konto kann man natürlich auch ganz einfach per Überweisung oder mit einer Kreditkarte aufladen. Man kann aber auch ganz einfach ein Girokonto hinterlegen, von dem per Lastschrift abgebucht wird. Damit ist nicht einmal mehr Eigeninitiative notwendig, um Google Pay mit dem eigenen Girokonto zu nutzen. Vielmehr funktioniert Google Pay mit einem kleinen Umweg ähnlich wie Payback Pay, das auf Lastschriftbasis funktioniert.

Google Pay mit comdirect und N26 nutzen

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Wollen Sie Google Pay mit einer kostenlosen Kreditkarte nutzen, haben Sie zwei Möglichkeiten: 

Denn die beiden Direktbanken comdirect und N26 arbeiten mit Google für den Bezahldienst zusammen. Alle anderen Partner bieten nur kostenpflichtige Varianten an. 

Es bleibt aber die Frage, ob der Ausbau der Dienstleistung (siehe oben) dafür sorgt, dass Verbraucher keine Kreditkarte benötigen. Immerhin kann Google Pay überall dort genutzt werden, wo NFC-Geräte zur Verfügung stehen. Das heißt konkret: Wenn ein Supermarkt beispielsweise die Zahlung mit einer NFC-Kreditkarte anbietet, kann auch Google Pay verwendet werden. Die Akzeptanz von NFC wächst immer weiter. Schon heute sind kontaktlose Zahlung bei vielen Händlern möglich. So wird es möglich sein, Google Pay schon bald fast überall zu nutzen. Besonders vorteilhaft ist dabei, dass Google Pay auch funktioniert, wenn nur kontaktlose Girokarten und keine Kreditkarten akzeptiert werden.

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Fraglich erscheint gleichzeitig, wie lange Google Pay auf dem deutschen Markt mit seinem Angebot allein bleibt. Denn der große US-Konkurrent Apple hat in einigen Märkten mit Apple Pay bereits die Nase vorn. Das gilt nicht nur in China, wo der Dienst von Google verboten ist, sondern auch in einigen anderen Ländern. In Deutschland tut sich Apple allerdings noch schwer. Sobald auch Apple seinen Service in Deutschland startet, kann man davon ausgehen, dass noch mehr Händler kontaktlose Zahlungen akzeptieren. So werden auch immer mehr Kunden den Bezahldienst nutzen.

Kreditkarten profitieren von Google Pay

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Selbst wenn Google Pay und Apple Pay keine Kreditkarten benötigen, wird die Bedeutung dieser Karten wohl eher steigen. Das zeigt ein Blick auf andere Märkte. Denn beispielsweise in den USA hinterlegt ein Großteil der Nutzer bei den Diensten eine Kreditkarte. Gleichzeitig gibt es viele gute Gründe, um eine Visa, Mastercard und Co zu speichern. Beispielsweise profitiert man bei der Zahlung mit einer Kreditkarte auch bei der Zwischenschaltung mit Google Pay von einem möglichen Chargeback. Dieser kann helfen, wenn es zu gravierenden Problemen mit dem jeweiligen Produkt oder Händler kommt.

Auch die Nutzung von Bonus-Programmen ist mit der Nutzung von Google Pay und der Verknüpfung mit einer Kreditkarte möglich. Das führt dazu, dass die Verwendung einer hinterlegten Kreditkarte bei Google Pay deutlich attraktiver ist, als die Nutzung eines Girokontos. Hinzu kommt natürlich der übliche Liquiditätsvorteil von Kreditkarten. Denn wer sein Girokonto über PayPal hinterlegt, bezahlt sozusagen sofort. Wer dagegen auf die Kreditkarte setzt, muss die entsprechende Zahlung meist erst einige Wochen später tätigen. Somit hat man das Geld länger auf dem Konto.

Google Pay wird also wohl kaum dafür sorgen, dass die Kreditkarte vom Markt verschwindet – ganz im Gegenteil. Der Anteil wird nicht zuletzt dank Google Pay in den nächsten Jahren wohl noch deutlich wachsen. 

Bildquellen:

Google Pay: Google Pay
PayPal: pixabay.com - mohamed_hassan
comdirect VISA Card: comdirect
Apple Pay: Apple Pay
Geldbeutel: pixabay.com - Manuchi