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China: WeChat Pay & Alipay dominieren

26.01.2019

Kunden in China bezahlen oft mit Alipay oder WeChat Pay. UPDATE² (1/2019): Inzwischen hat sich Alipay sogar eine europäische E-Geld-Lizenz besorgt. Aber warum eigentlich?

Mobile Payment boomt

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Das Thema Mobile Payment boomt in Deutschland. Google Pay ist bereits seit Juni 2018 verfügbar. Apple Pay zog im Dezember 2018 nach. Parallel dazu zahlen immer mehr Kunden kontaktlos per NFC-fähiger Kreditkarte. Immerhin bauen beide Ansätze auf der Near Field Communication (NFC) auf. So könnten Visa, Mastercard und Co schon in wenigen Jahren für deutlich mehr Zahlungen verantwortlich sein als noch heute.

In China spielen Google und Apple beim Bezahlen keine (große) Rolle. Denn die Menschen bezahlen dort oft mit Alipay oder WeChat Pay. Aber wie kommen diese Unterschiede zustande? 

+++ UPDATE² (1/2019): Alipay erhält europäische E-Geld-Lizenz +++

Nach Amazon und Google will sich nun wohl auch Alipay auf dem europäischen Bezahl-Markt ausbreiten. Der chinesische Zahlungskonzern ist nun bei der Finanzaufsicht in Luxemburg als sogenanntes E-Geld-Institut registriert.

Die Tochter des Online-Riesen Alibaba ist zwar bereits in 20 Ländern Europas verfügbar. Nutzer benötigen jedoch ein Konto in China und einen chinesischen Pass. Nun könnte Alipay seinen Bezahldienst mehr Händlern anbieten und sich auch für europäische Kunden öffnen.

+++ UPDATE (22.11.18) +++

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Seit 22. November 2018 akzeptiert Galeria Kaufhof auch Alipay (sowie Bluecode). Damit können chinesische Touristen den Bezahldienst des Online-Riesen Alibaba bei den 96 Warenhäusern in Deutschland einsetzen. Alipay hat aktuell rund 700 Millionen Nutzer.

+++ UPDATE-Ende +++

Das Smartphone wird zum wichtigsten Zahlungsmittel

Anstatt auf eine Kreditkarte zu setzen, nutzen viele Chinesen ihr Smartphone. Das klingt im ersten Moment noch ein wenig wie eine Wallet-Lösung wie Google Pay. Doch das Angebot des US-Riesen ist in China verboten. Apple Pay existiert zwar, spielt jedoch eine vergleichsweise irrelevante Rolle. Stattdessen setzen die Verbraucher auf Zahlungsmethoden wie WeChat Pay oder Alipay, die in Europa fast völlig unbekannt sind. Die beiden Dienste sind bezüglich der Art und Weise der Zahlung im Prinzip identisch, könnten ansonsten aber unterschiedlicher nicht sein. Das liegt schon an den Hintergründen. Denn WeChat ist die größte Kommunikationsplattform in China und im Prinzip mit WhatsApp zu vergleichen.

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Alibaba, das Unternehmen hinter Alipay, ist der größte Online-Händler in China. Dieser Marktplatz ist bezüglich des Volumens der Transaktionen und Bestellungen in etwa mit Amazon vergleichbar. Im Prinzip sprechen wir also von den Bezahldiensten einer Chatplattform und eines Online-Händlers. Beide Services haben es dennoch in die Mitte der Gesellschaft geschafft und sind heute für mehr als 90 Prozent aller Zahlungen verantwortlich. In Europa und selbst den USA ist so etwas nicht vorstellbar. Denn vergleichbare Dienste wie Amazon spielen zwar im Online-Handel eine Rolle, allerdings nicht bei Zahlungen im Alltag.

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WeChat Pay und Alipay haben entsprechend etwas geschafft, das im Westen undenkbar erscheint. Das liegt auch daran, dass die Verwendung vergleichsweise einfach ist. Wer ein Konto bei einem der beiden Unternehmen hat, kann dieses auch zur Zahlung nutzen. In der WeChat-App geht man beispielsweise auf den Menüpunkt „Pay“ und kann so eine Zahlung durchführen. Dasselbe gilt bei Alipay. Für Ausländer ist die Nutzung jedoch eher schwierig. Denn bei beiden Diensten ist die Hinterlegung eines chinesischen Kontos notwendig. Die Verknüpfung einer Kreditkarte, eines ausländischen Girokontos oder eines PayPal-Kontos ist nicht möglich.

Zahlung im Internet und im stationären Handel

Anders als Wallet-Lösungen im Westen ermöglichen die zwei großen Zahldienste in China etwas besonders Praktisches. Mit beiden Anwendungen können Sie sowohl online als auch offline bezahlen. Bei einer Internet-Bestellung muss man die Zahlung am Handy bestätigen und schon wird das Geld transferiert. Bei einer Zahlung im Handel muss man einen Code scannen oder den eigenen scannen lassen. Schon wird die Zahlung durchgeführt. Das ist nicht nur sehr praktisch, sondern dauert auch nur wenige Sekunden.

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Die Zahlung in Ladengeschäften erinnert dabei ein wenig an den Dienst Payback Pay. Man kann in der App einen Code generieren, der vom Händler gescannt wird. Danach wird die Zahlung automatisch per Lastschrift durchgeführt. Nach einem ähnlichen Muster funktionieren bei WeChat Pay und Alipay die meisten Zahlungen. Hinzu kommt ein weiterer entscheidender Vorteil. Denn die beiden Dienste können nicht nur für Zahlungen bei Händlern genutzt werden, sondern auch für Transaktionen unter Privatpersonen. Diese Verknüpfung gibt es im Westen bei kaum einem Zahlungsdienst. PayPal ist so eine Ausnahme, steht im stationären Handel dagegen noch am Anfang mit Google Pay. 

Aber zurück nach China: Die entsprechenden QR-Codes können ebenso für private Zahlungen gescannt werden. Man schuldet einer anderen Person einen gewissen Betrag? Dann tippt man diesen einfach kurz in das Smartphone ein und lässt den Code scannen. Schon wird die Zahlung durchgeführt. Auch die Nutzung in Verbindung mit anderen Apps ist sehr einfach. So kann man bei Apps wie dem Fahrdienstleister DiDi (vergleichbar mit Uber) ganz einfach den WeChat-Account hinterlegen. Zwar könnte man auch eine Kreditkarte hinterlegten. Auf Grund der Praktikabilität und Flexibilität von WeChat und Alipay setzen viele Chinesen aber lieber auf diese Zahlungsdienste.

Datenschutz und eine große Datenspur

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Diese beiden Zahlungsdienste in China sind zwar praktisch. Aber es gibt auch Kritik – besonders aus dem Westen. Zweifelhaft ist nämlich allen voran der Datenschutz. Die meisten Verbraucher im bevölkerungsreichsten Land der Welt nutzen für alle Zahlungen ausschließlich einen der beiden Dienste. Das gilt für Zahlungen bei Firmen genauso wie bei Zahlungen zwischen Freunden. Der jeweilige Zahlungsdienstleister kann die gesammelten Daten beispielsweise für maßgeschneiderte Angebote nutzen oder auch "nur" auswerten. Die Auswertung ist dabei so einfach wie in keinem anderen Land der Welt. Denn die Menschen nutzen oft nur noch ein einziges Zahlungsmittel, wodurch eine enorme Datenspur entsteht.

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Kritisiert wird immer wieder auch die Verknüpfung der verschiedenen Dienste. Das gilt erst recht für WeChat Pay. Denn eine Plattform gleichzeitig als Zahlungsmittel und Kommunikationskanal zu nutzen birgt so einige Risiken. Der jeweilige Dienst kann durch die Verknüpfung vieles über einen Menschen herausfinden und gleichzeitig das Zahlungsverhalten kontrollieren. Die Überwachung durch die Regierung ist ein weiteres gravierendes Problem. Aufgrund der Konzentration auf die wenigen Zahlungsdienste, die gleichzeitig auch noch Daten in vielen anderen Lebensbereichen sammeln, ist eine Überwachung deutlich leichter. Dadurch entsteht in gewissem Maße ein durchsichtiger Mensch, der von der Industrie genauso wie vom Staat gesteuert werden kann.

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Was also ist am Ende besser? Die Nutzung verschiedener Zahlungsmittel wie der kostenlosen Kreditkarte, Bargeld und Online-Zahlungsmitteln oder einer einzigen Anlaufstelle für alle Zahlungen? Diese Frage muss wohl jeder für sich beantworten. Denn es dauert sicherlich nicht mehr lange, bis Dienste wie WeChat Pay oder Alipay auch in Europa eine Rolle spielen werden.

Denn schon Mitte November 2018 hat Wirecard Stuttgart zur ersten offiziellen "China Pay City" Deutschlands gemacht. Rund 50 Anlaufstellen wie Restaurants, Einzelhändler und Museen in der ganzen Stadt akzeptieren die beiden Bezahldienste. Die Anzahl soll zukünftig weiter steigen. Daneben können Chinesen bereits an verschiedenen Flughäfen per WeChat Pay oder Alipay bezahlen.

Bildquellen:

China und Smartphone: pixabay.com - geralt
Google Pay: Google Pay
Galeria Kaufhof: galeria-kaufhof.de
Smartphone in Händen: Creativecommonsstockphotos | Dreamstime Stock Photos
Pay-Button: pixabay.com - geralt
Payback Pay: Payback Pay
Daten-Sicherheit: pixabay.com - typographyimages
Frau mit Tüten und Smartphone: wirecard.de

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