Ist das Amazon-Girokonto realistisch?

27.03.2018
Ist das Amazon-Girokonto realistisch?

Die Amazon-Kreditkarte kennen Sie vielleicht schon. Bald könnte es aber auch ein Amazon-Girokonto geben. Kann dies eine gute Entwicklung sein?

In Deutschland gibt es bereits sehr viele Finanzprodukte. Außerdem ist die Zahl der Banken hierzulande alles andere als klein. Das hält neue Wettbewerber allerdings nicht davon ab, sich in den Markt zu wagen. Vor vielen Jahren war dies bei den Direktbanken der Fall, die das gesamte Finanzsystem auf den Kopf gestellt haben. Kostenlose Kreditkarten von comdirect, DKB und Co machen den Filialbanken noch heute das Leben schwer.

Die nächste Revolution war der Markteinstieg von sogenannten Handybanken wie der N26 oder der Fidor Bank. Diese bestechen durch deutlich bessere Konditionen rund ums Girokonto und Kreditkarten als die meisten Filialbanken. Doch die Evolution hört hier nicht auf, denn immer mehr Konzerne drängen in den (deutschen) Finanzmarkt – darunter wohl auch Amazon.

Amazon bietet bereits Kreditkarten an

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Schon heute ist Amazon in der Welt der Zahlungsmittel nicht allzu fremd. Das liegt in Deutschland unter anderem an der sogenannten Amazon-Kreditkarte. Diese gibt das Unternehmen in Kooperation mit der Landesbank Berlin-Brandenburg (LBB) heraus. Die Karte bietet unter anderem Cashback für Zahlungen bei Amazon und auch bei anderen Handlungen. Zwar sind die Konditionen insgesamt nicht so gut wie bei Produkten aus dem Kreditkartenvergleich. Amazon zeigt damit aber bereits den Weg an, den es gehen will. In Zukunft könnte der Marktplatz dabei auch ohne Partner agieren, denn eine Banklizenz scheint für den Internetriesen kein gravierendes Hindernis zu sein.

Für Amazon-Kunden könnte das bedeuten, dass es in Zukunft nicht nur eine Amazon-Kreditkarte in Kooperation mit der Landesbank Berlin gibt, sondern irgendwann auch eine vollkommen eigene Karte. Damit könnten die Konditionen in Zukunft noch deutlich besser werden oder zumindest bestimmte Gebühren wegfallen. Unter Umständen könnte Amazon aber ebenso in andere Bereiche vordringen und in Deutschland beispielsweise ein Girokonto oder eine Premium-Kreditkarte anbieten. Unmöglich scheint für den Internetriesen nichts, denn schon zuvor ist Amazon in verschiedene Bereiche vorgestoßen, was in der Vergangenheit unmöglich schienen.

Wenn Amazon es bereits ins Wohnzimmer der deutschen Verbraucher geschafft hat, scheint es nicht unwahrscheinlich, dass es ins Portemonnaie vordringt.

Amazon sondiert Girokonto mit US-Banken

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Aktuell wird darüber berichtet, dass Amazon sich in den USA im Gespräch mit mehreren Banken befindet, um den Markt weiter aufzurollen. Dabei sollen die Versuche des Konzerns weit über das hinausgehen, was aktuell angeboten wird. Eine eigene Kreditkarte sowie das eigene Bezahlprodukt Amazon Pay gibt es bereits in mehreren Märkten, ein anderes Finanzprodukt jedoch noch nicht. Da der Marktplatz allerdings in immer mehr Lebensbereiche vordringt, scheinen viele Innovationen möglich. Besonders im Fokus scheint aktuell die Schaffung eines Girokontos für die Kunden zu sein. Diese könnten dann zukünftig möglicherweise auch ein Girokonto und eine Kreditkarte verbinden.

Wie genau das Girokonto von Amazon aussehen wird, ist aktuell noch nicht bekannt. Durchgesickert ist allerdings bereits, dass das Produkt sich vor allem an junge Kunden wenden soll. Dabei erscheint ein Direktbankmodell wahrscheinlich, das in Deutschland bereits von Banken wie der DKB oder der N26 vorangetrieben wird. Statt in Filialen werden alle Bankdienstleistungen ganz einfach im Internet erledigt – in Zukunft möglicherweise eben auch direkt im Amazon-Account. Möglich erscheint dabei genauso wie bei den bekannten deutschen Direktbanken eine Kombination aus Girokonto und Kreditkarte, damit Nutzer mit dieser beispielsweise von kostenfreien Geldabhebungen profitieren können.

Amazon will sich mit seinem Angebot wohl nicht darauf spezialisieren, anderen Banken die Kunden abzuwerben. Vielmehr soll der Fokus des Produkts wohl darauf liegen, Kunden mit einem Konto zu versorgen, die bislang noch nicht über ein solches verfügen. Der Fall ist dies zum Beispiel bei jungen Kunden aus dem ländlichen Raum. Unklar ist derweil noch, in welchen Märkten der US-Riese das Produkt vorantreiben möchte. Möglich erscheint, dass Amazon dies vorerst nur in den USA testet und in anderen Märkten wie Deutschland erst später eintritt. Es könnte aber auch sein, dass Finanzprodukte schon in diesem oder nächstem Jahr in Europa getestet werden.

Großes Potenzial im Markt für Konten und Zahlungen

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Wenngleich die Banken in den vergangenen Monaten meist damit beschäftigt waren, die sinkenden Zinsen durch die Politik der Europäischen Zentralbank zu kritisieren, sehen viele Firmen ein großes Potenzial auf dem Markt für Konten und Zahlungen. Besonders relevant ist dabei, dass dieser Markt noch nicht überall ausgeschöpft ist. Auch in Deutschland sehen Experten noch ein großes Potenzial für Anbieter von Girokonten und Kreditkarten. Gerade der Markt der Kreditkarten ist in Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern absolut unterrepräsentiert.

Ändern könnten das neben neuen Wettbewerbern im Finanzmarkt auch attraktive Angebote für kostenlose Kreditkarten, die man zum Beispiel im Kreditkartenvergleich finden kann. Hier können Sie eine Vielzahl verschiedener Kreditkarten finden, die nicht nur ohne Jahresgebühr daherkommen, sondern Ihnen teilweise komplett kostenlose Abhebungen sowie gebührenfreie Zahlungen im Ausland ermöglichen. Karten wie die 1plus Visa Card lohnen sich deshalb im Prinzip für fast jeden Verbraucher.

Dennoch entscheiden sich bislang vergleichsweise wenige Verbraucher für moderne und kostengünstige Zahlungsmittel wie diese. Möglicherweise braucht es schlichtweg einen großen Konzern wie Amazon, der im deutschen Zahlungsmarkt für die nächste große Revolution sorgt. Im Vergleich zu anderen Ländern zahlen die deutschen Verbraucher in vielen Bereichen immer noch sehr viel Geld für ihre Finanzprodukte – das gilt für Kreditkarten und Girokonten gleichermaßen. Gerade bei Filialbanken fallen auch weiterhin vergleichsweise hohe Gebühren an. Wer diesen Gebühren entfliehen möchte, muss entweder zu einer Direktbank wechseln oder eine zusätzliche Kreditkarte beantragen. Ein Kombi-Angebot von Amazon könnte das Leben für manche Verbraucher vereinfachen – sofern es denn (auch nach Deutschland) kommt.

Auch Facebook und Apple interessieren sich für den Finanzmarkt

Amazon ist allerdings nicht der einzige Anbieter, der bald in Deutschland mit Finanzprodukten auf sich aufmerksam macht. Auch Apple und Facebook arbeiten wohl bereits länger an verschiedenen Lösungen rund um den Finanzmarkt. Zwar sind bislang keine Pläne zu Kreditkarten oder Girokonten bekannt, Dienste wie Apple Pay geben aber bereits einen Vorgeschmack auf das, was noch kommen könnte. Rund um kostenlose Kreditkarten und andere Finanzprodukte wird es so schnell nicht langweilig.

Bildquellen:

Amazon-Logo: Amazon
Visa und Laptop: Visa
Gespräch: Deutsche Bank
Karte: eigene